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Körper - Geist »

Rede zur Finissage 08.01.1994, im Lichtkuppelsaal der esg um 19:00.

Es ist ja dies die Dritte von dreizehn Ausstellungen und da der ganze Zyklus, entsprechend seiner Thematik sowohl im Zeitlichen als auch im Räumlichen dreigegliedert ist, rundet sich heute die erste Epoche seiner Dauer. Dieser Zyklus ist nicht eine Aneinanderreihung beliebiger Ausstellungen, sondern er ist ein sich hinwenden, ein hineinhorchen in die Zeit in das Geschehen.

Somit war die erste Ausstellung gekennzeichnet durch die Darstellung des hier und jetzt, das Erleben des Augenblicks zwischen Gestern und Morgen, der Beginn.

Und fragt die zweite Austellung nach dem was begonnen hat, nach unserem Zustand zwischen Traum und Wirklichkeit.

Zwingend ergibt sich daraus für diese dritte Ausstellung die Frage nach uns selbst.

Wer sind wir?
Und warum ist überhaupt etwas?


Jede Kultur, jede, ist eine Auseinandersetzung mit diesen Fragen. Entsprechend wie sie diese Fragen stellt und beantwortet, gestaltet sie ihren Zeit-Raum. Wenn man sich da hineindenkt, wird doch deutlich, nicht das was man sieht ist entscheidend, sondern wie man es sieht. Damit sind wir mitten im Zentrum dieser Ausstellung - in uns selbst. Wir sind das Echo, das durch die Frage nach dem Ursprung sich seiner selbst bewußt wird. Dieser Prozeß, wer wollte es leugnen, ist ein Sein. So ein Sein zu sein, auch dazu laden wir Sie ganz herzlich ein.



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Zwölf Ziervögel

Michail Stamm
Jedes Etwas ist ein Echo
vom Nichts I

tam  

12 Käfige wurden in eine Voliere gestellt. Käfige von dieser Art nahmen die Bergleute unter Tage mit, um von den Vögeln vor Gas gewarnt zu werden. Von den Vögeln in der Voliere wurde eine Tonaufnahme gemacht. Danach wurden die Käfige aus der Voliere genommen und in der Galerie im Kreis auf Sockel gestellt.

   

Zwölf Bäume natur



Michail Stamm
Jedes Etwas ist ein Echo
vom Nichts III



eier  

Zwischen den Räumen, wo die Käfige stehen und dem, wo die Klangskulpturen standen ist ein ovaler, von 12 Bäumen umsäumter Platz. Dort hat M. Stamm mit 12 Studenten am 8.1.1994 das Volker Harlan-Stockspiel gespielt. V. Harlan, ein langer Weggefährte von J. Beuys, beschreibt in seinem Buch "Was ist Kunst" diese einfache Übung zur Reduktion.

   

"Hol eine Frucht des Feigenbaums!''
"Hier, Ehrwürdiger!"
"Zerteile sie!"
"Ich habe sie zerteilt, Ehrwürdiger."
" Was siehst du darin?"
"Diese ganz winzigen Körner, Ehrwürdiger."
"Zerteile eines von ihnen, mein Guter!"
"Ich habe es zerteilt, Ehrwürdiger."
" Was siehst du darin?"
"Gar nichts, Ehrwürdiger."
"Diese Winzigkeit, die du nicht wahrnimmst,
mein Lieber - wahrlich dieser Winzigkeit
entstammend steht dieser Feigenbaum so
groß da."
"Glaube, mein Lieber:
Was diese Winzigkeit ist, das ist das Selbst dieses Universums. Das ist die Wahrheit. Das ist das (individuelle) Selbst. Das bist du, Svetaketu."

Dieser Text aus den Upanischaden wurde den Besuchern der Ausstellung auf dem Platz vorgetragen.




Zwölf Bäume bearbeitet

Michail Stamm
Jedes Etwas ist ein Echo vom Nichts II

Im Lichtkuppelsaal wurden 12 Klangskulpturen von M. Stamm aufgestellt. Danach von den Musikern Anna Lindblom, Nils Karcher, Benno Klandt, Andreas Völlmeke, Jörg Plachetka und Michail Stamm bespielt. Von dieser Improvisation wurde eine Tonaufnahme gemacht, nach der die Klangskulpturen wieder aus dem Raum entfernt wurden. Tonaufnahme am 22.12.93 16-17 Uhr.

esg



 
Last Updated: 3-06-2000 © W.Winter