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Beweggründe »

Rede zur Finissage 08.01.1998, im Lichtkuppelsaal der esg um 19:00.

Die siebte Ausstellung 'zwischen den Jahren' des Zyklus 'zwischen den Jahrtausenden' endet heute. Damit ist über die Hälfte seiner Dauer vorbei. Das ist ja schon mal was. Da müßte ich ja eigentlich die Gelegenheit nutzen, darauf eingehen und was dazu sagen. Aber was?

Mir ging das Ein oder Andere durch den Kopf, aber letztendlich blieb ich immer an der Frage hängen: Was soll das eigentlich? Einerseits, es ist unser Tanz und vor wem hätten wir uns zu rechtfertigen? Andererseits, ist es nicht so wie mit jedem Nagel? Es ist was es ist und wird zu dem was Sie daraus machen. Genau das soll es auch ! Diese Möglichkeit haben Sie . Dieses Wagnis müssen wir eingehen.

Beweggründe Dritte und letzte Ausstellung der zweiten Epoche - Innenwelt. Beweggründe - das Motiv, woher kommt sie eigentlich die Idee zur Tat? Eine zentrale, eine uralte Frage. Wieviele Philosophien und Theorien gibt es darüber? Jeder ..ismus beantwortet sie anders. Was ist eine Idee? Gibt es die überhaupt, oder gibt es nur die Tat in einem von Historikern, Psychologen, Biologen und anderen Spezialisten erforschbaren, kausalem Zusammenhang? Aber ist auch das nicht nur eine Konstruktion, eine immer wieder neue Deutung und was bleibt ist der Zufall?

Betrachten wir einmal die Taten, die dieses zwanzigste Jahrhundert prägten und prägen. Ein Blick in den Abgrund! Blankes Entsetzen! Nur? Um was ging es, um was geht es eigentlich dort draußen? Ist das überhaupt zu begreifen? Aber geht es nicht genau um diese Fragen? Ist es nicht ein Kampf der Ideen? Welche Tat wäre ohne eine Idee überhaupt möglich?

Dann allerdings ist dies nicht eine 'ganz interessante Frage', sondern es ist dies die Frage, die entscheidet über die Art unserer Existenz, über unser Tun, über unser Selbstverständnis und ein sich nicht konfrontieren mit ihr heißt sich aus- zuliefern: zufälligen Kräften, vorübergehenden Erscheinungen, Idiotien. Aber wie gehen wir mit ihnen um, den Ideen, den nicht destilierbaren, den nicht berechenbaren, den vieldeutigen? Wir können sie nur denken!Dies aber heißt den Versuch zu wagen, das Geheimnis zu lüften; den Versuch zu wagen, zu erkennen. Das heißt auch hinabzusteigen in den Abgrund, der nicht 'Gott sei Dank' in der Vergangenheit liegt und auch nicht irgendwo dort draußen, sondern der tut sich auf in uns, in jedem.

Oder?

Sie auch dazu einzuladen trau ich ich nicht. Aber diese Angst ist doch zu überwinden. Dafür bedarf es die Kraft einer Idee, einer Idee die niemanden ausschließt und nicht eine noch größere Angst hervorruft. Diese alles überwindende Idee ist die Idee der Freiheit. Welche Möglichkeiten! Und welche Farce ist das dort draußen, diese Idee umgesetzt in Kontoauszüge, Kilowatt und Flugstunden! Aber das ist wieder die Sache mit dem Nagel und der Idee. Woher kommt die eigentlich, die Idee? Da geht's dann wieder von vorne los.Also das überlasse ich jetzt Ihnen.

Aber nichts desto trotz: jene Freiheit zu wollen und zu ermöglichen, auch dazu laden wir Sie ganz herzlich ein.



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Gillian


Gillian Gocking

"Prekär"
Schiefer, Glas, Wachs.

©1997








Eusebius Wirdeir
"Eierplätzchen Nr. 1 - Nr. 13"
Ansichten vom 23.09.1997 mittags, drei Gelatinesilber - Abzüge auf Barytkarton.

©1997








Beate Prantner

"Lasciatemi sognare nell'ombra"
Triptychon, Öl, Wachskreide und Blei auf Leinen.

©1997







Finissage 8.1.1998 Beteiligte:

Achin Fink, Jörg Hustiak, Josef Kirschgen, Helena Villa Alobos, Bernd Winterschladen, Musik-Performance

Im Januar, Eierplätzchen.



Last Updated: 3-04-2000 © 1996 - 2000