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apollinisch - dionysisch »

Rede zur Finissage 08.01.2001, auf dem Eierplätzchen um 19:00.

Diejenigen, die diesen Zyklus schon seit längerem begleiten, werden sich vielleicht noch an die vierte, die erste Metamorphoseausstellung erinnern. Ich bat Sie damals ebenfalls hier auf das Eierplätzchen, um auf die kosmische Situation aufmerksam zu machen: Eierplätzchen; Erde; Mond; Sonne; Planeten; Milchstrasse, die Heimatgalaxie und die enorme Geschwindigkeit mit der sich das ganze System dreht.

Heute nun, zur zehnten Ausstellung - die zweite der dritten Epache, Oberbegriff Aussenwelt - mit dem Thema 'apollinisch - dionysisch', die sich bedingenden Gegensätze, möchte ich Sie hinweisen auf die Situation hier drumherum und auf den geschichtlichen Prozess.

Witziger Weise ist ja der Plan zum Bau dieses Eierplätzchens und die dazugehörige Strassenanlage, so wie Sie es hier sehen zwischen den Jahren 1888/89, nämlich um genau zu sein am 27.12.1888, in der Stadtverordnetenversammlung der Stadt Köin besprochen und genehmigt worden. Das war damals sozusagen die Eröffnungsperformance für diesen Zyklus 'zwischen den Jahrtausenden'.

19 tes Jahrhundert; Aufbruch; Gründerzeit; Optimismus; Fortschritt; phantastische Entdeckungen und Erfindungen: die letzten 'weißen Flecken' werden erforscht und kartographiert; Seekabel nach Amerika verlegt; Becquerell entdeckt die Radioaktivität; durch Narkose werden schmerzfreie Operationen möglich; industrielle Revolution.

Sternstunden der Menschheit. Das erste brauchbare Maschinengewehr. 1888 entwickelt Dunlop für das Fahrrad endlich den Pneu, den Luftreifen. In Verbindung mit der Weiterverbreitung des Automobils entsteht eine kaum zu befriedigende Nachfrage nach Gummi. Durch eine Systematisierung von Massakern, Geiselnahmen, dem sammeln abgehackter Hände und Prügelstrafen konnten z.B. Ureinwohner des gerade entdeckten Kongo dazu motiviert werden, immer größere Mengen des dort wildwachsenden Kautschuk zu ernten und den Agenten verschiedener Handelsunternehmungen weitestgehend unentgeldlich auszuhändigen. Was hinwiederum in der zivilisierten Welt zu traumhaften Aktienkursen führte. Entstehung des Industriekapitalismus und des Proletariats. Hochzeit des Kolonialismus und des Imperialismus. Riesige Vermögen werden erwirtschaftet. Marx bietet eine vermeintlich schlüssige Erklärung dieser Vorgänge an. Durch Rassentheorien entsteht der moderne Antisemitismus. Das kann man aber alles nachlesen. Die daraus resultierenden Sensationen des 20 ten Jahrhunderts kennen Sie ja auch zur Genüge.

Sicherlich eine willkürliche, eine tendenziöse Zusammenstellung, aber genauso beliebig und genauso wahr, wie jede andere auch. Was heißt da apollinisch; was heißt da dionysisch, was heißt da überhaupt irgendwas ? Als Überlebende und als Beteiligte dieser Prozesse stehen Sie und ich hier.

Jeder Versuch in dieses Geschehen einen Sinn, ein Verstehen hineinzudeuten kann doch nur in höhnischem Gelächter enden.

Es sei denn...

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Manuela Krekeler-Marx
Galerie Smend: Mainzer Str. 37, esg fh: Mainzer Str 47..



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Hubert Schmitt
esg fh: Mainzer Str 47, Galerie Smend: Mainzer Str. 37, Eierplätzchen.




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Hubert Schmitt und Manuela Krekeler-Marx
esg fh: Mainzer Str 47, Galerie Smend: Mainzer Str. 37.




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Finissage 8.1.2001
Beteiligte: Thomas Behrendt, Manuela Krekeler-Marx, Rita Luysberg, Michael Wex,
Antje von Wrochem, Klaus von Wrochem, Markus von Wrochem, Christl-R. Wüstenbecker.

Galerie Smend, Eierplätzchen, esg fh.


3-04-2000 © 1996 - 2000
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